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Aufgeben

Alles läuft schief, du bist in einem Tief, nichts ist mehr wie es war und dir wird klar du gehörst nicht mehr dazu und nun denkst du, du bist schuld, du hast keine Geduld und das ist dein Fehler, stell den Zähler auf Null und beginn von vorn doch dieser Weg ist dir zu weit, du siehst nur noch eine Möglichkeit.

Du gehst nach hause, machst ne kurze Pause und denkst nach und danach ist nichts anders alles gleich und du denkst dein Weg sei leicht und nicht kompliziert, wer hätte gedacht das so was je passiert. Und so bist du nun ganz allein für dich mit deinem Plan und du denkst wer soll mich vermissen?

Es ruft dich doch nie jemand an, niemand schreibt dir einen Brief, niemand den du hinterließest. Doch anstatt das du noch ne Nacht drüberschliefest möchtest du es hinter dich bringen, es hinter dir haben, du wirst es tun noch heute Abend!

Und so gehst du hin und stellst dich hin, in die Mitte des Zimmers und du hast nicht den geringsten Schimmer was dich erwartet, doch jetzt ist es zu spät du hast das Projekt gestartet, denn du weißt genau da ist niemand der morgen auf dich wartet, niemand der dich sucht der an dich denkt, niemand der dir ein lächeln schenkt, nein du bist allein und niemand ist für dich da, niemanden der dich mag, du bist auf dich allein gestellt jeden Tag!

Du nimmst es jetzt in die hand zum allerletzten mal, und auf einmal wird dir klar es ist der Letzte schritt, danach gibt es kein zurück! Und mit ein bisschen Glück wachst du gleich auf und alles ist gut, alles ist perfekt, du hast nie versucht zu finden was das leben für dich versteckt!

Du hast die Tür verschlossen, das Telefon ist abgestellt, du hörst wie draußen ein Hund bellt, vielleicht zum letzten mal, du checkst alles noch mal, denn es soll nichts schief gehen bei deinem letzten schritt, der Brief ist geschrieben, es gibt kein zurück!

Du spürst das kalte eisen hinter deinem Ohr und es kommt dir so vor als wären Sekunden Stunden, du bist dir sicher du hast deine Bestimmung gefunden, das leben hat dich nur geschunden, es lief nie gut nur daneben, es hat nie glück für dich gegeben. Doch nun ist es vorbei, du zählst bis drei, eins zwei drei, du drückst ab, es gibt kein zurück, du hörst noch leise wie es klickt

Ein Knall zerreist die Stille des Raumes, doch du stürzt in die Stille eines Traumes.

Du siehst dein Leben noch einmal, alle 22 Jahre, da mit drei, auf dem Spielplatz mit Mama, da beim Gokart fahren mit Papa, im Garten von Oma und Opa, dein 11Geburtstag, du hörst deinen Bruder wie er sagt das es immer weiter geht und du hoffst das er deinen Schritt versteht, du bereust ihn, doch es ist zu spät. Jetzt bist du 17 und da ist und da ist Linda, die dir sagt das sie dich liebt und dir deinen ersten Kuss gibt, dein erster Kuss, dein erstes mal, dein erstes Mal besoffen, das erste mal hoffen das du das Abi schaffst, dein Abschluss, danach die Feier, am nächsten morgen der Kater und das gereier, dein Auszug, deine eigenen Vier Wände, dein erstes Auto, VW, gebraucht, das erste Mal mehr als Tabak geraucht, du wirst 20, das leben ist noch schön, an der Straßen Ecke bleibst du stehen, das vierte Mal richtig verliebt, die dritte Freundin, das alles liegt jetzt hinter dir, alles ist vorbei, versperrt wie deine Tür.

Und du siehst dich liegen. Regungslos, leblos, tot. Und auch dein Teppich färbt sich langsam rot.

Ein anderer Tag ein anderes leben, auch du möchtest aufgeben, der job wird dir zuviel, und auch Vater sein mit 20 ist nicht so ein Kinderspiel wie du einst dachest, deine Frau liebt dich, das sind die schönen Seiten die du nicht beachtest.

Deine Eltern wollen dich und die Familie mal wieder sehen, du hast keine Lust, sagst du müsstest arbeiten gehen, lässt dich entschuldigen. Du suchst den Schuldigen für dein „schlechtes“ Leben, dir selber willst du die Schuld nicht geben. Deine Frau ist bei deinen Eltern, du hast keine Lust zu leben.

Was ist los, was ist mit dir passiert? Du hast oft dran gedacht, aber nie den letzten Schritt riskiert, es gab nie die Möglichkeit, nie die Zeit, nie warst du alleine, immer war jemand da, Tim zum Beispiel, er sagt jetzt schon Papa. Doch jetzt sind sie weg, darauf hast du gewartet, es ist lang geplant, sie sollen nie erfahren wie es dir jetzt geht, wie es um dich steht, du bist nicht krank, nur ausgelaugt, du kannst und willst nicht mehr, du fühlst dich leer, verbraucht,

und es gibt keinen der dich braucht, deine Familie schafft es auch ohne dich, der Brief liegt schon geschrieben auf dem Tisch. Du gehst zum Arzneischrank und nimmst die Dose heraus, noch einmal gehst du durch dein Haus, es ist leer es ist kalt, aber bald wird dich das nicht mehr stören, bald kein Meeres rauschen hören, du legst dich aufs Bett, das Glas Wasser bereit, du schraubst die Dose auf, du hast lange gesammelt um sie zu füllen, nur um nichts mehr zu fühlen, es sind neun Tabletten, neun Fahrscheine in die Freiheit der Unendlichkeit. Du hast dich entschieden, du bleibst liegen, hier, jetzt und für immer, hier im Schlafzimmer. Du legst dir die Pillen in die Hand und wirfst sie in den Mund, das Wasser hinterher, sie sind weg, du hast alle geschluckt, du siehst in deine leere Hand, an die Wand, es beginnt sich zudrehen, dein Verstand, merkt es war falsch, du musst röcheln greifst dir an den Hals, dir ist schlecht, du musst dich übergeben, du hast nicht mehr die Kraft dich zu bewegen, du zuckst, Krämpfe schütteln dich bevor du Blut spuckst. Du versuchst aufzustehen, du bist dir sicher das wird schon gehen, doch du fällst nur vom Bett und bleibst liegen, du rufst nach Hilfe, doch dein Mund ist zu schwach sich zu bewegen, er ist trocken. Und während du stumm nach Hilfe schreist, spürst du wie dein Herz stehen bleibt. Alles dreht sich immer schneller, alles verschwindet vor deinen Augen und du verlässt den Raum und stürzt in einen Traum. Deine letzten Gedanken sind bei deiner Familie, Tim und Luise, sie sollen es gut haben, wie werden sie der Verlust ertragen?

Was werden sie sagen?

Wo ist Papi hörst du Tim laut fragen, und Luise sagen, an einem Ort an dem es besser ist als hier! Und wann kommt er wieder? Luise beben die Augenlieder, du siehst eine Träne an ihrem Auge, ihre Stimme klingt schwer als sie sagt “gar nicht mehr!“

Du siehst auch Tim weinen, und du möchtest schreien bei seien Tränen, möchtest ihn trösten, doch das geht nicht mehr, Sie sind jetzt da und du bist hier und Tim ist noch nicht mal vier!

Und wieder sind wir hier, diesmal wieder jemand anders, wieder ein anderer Ort, wieder Selbstmord.

Ohne ein Wort ist er nach haus gegangen, er hat den Streit nicht angefangen. Warum musste Mutter wieder damit beginnen? Er kann nun mal nicht singen, auch nicht Happy Birthday, es war ihr einziger Winsch an ihn, doch statt zu singen begann er stumm sich anzuziehen, sie wird jetzt 50, Vater ist schon nicht mehr, sie ist außer ihm alleine und hat es schwer. Er wollte nicht, sie sollte es verstehen, so wollte er eigentlich nicht gehen.

Zu hause angelangt, lehnt er sich an die Wand, das Telefon klingelt, er geht nicht ran, der Ab ist an “Mike bitte komm zurück, ich hab’s nicht so gemeint, komm zurück oder ich bin hier so alleine! Ich wird heute 50 und will nicht alleine sein, sei nicht so gemein!“

Sie klingt traurig, er wusste was er tut, doch jetzt ist ihm bei dem Gedanken nicht mehr ganz so gut, doch er weiß das er es tun muss, er schreibt auf „es ist Schluss, ich hab dich lieb und hoffe das du mir vergibst!“ Die Wanne ist voll Wasser, er steigt hinein in der Hand das Messer, er ist sich sicher gleich geht es ihm besser, er setzt den ersten Schnitt, der erste Tropfen fällt, es gibt keinen weg zurück, er zerschneidet auch den anderen Arm, das Wasser färbt sich rot, bald ist er tot, es sollte schnell und Schmerzlos gehen, doch er muss einsehen, dann ist das der falsche weg, er merkt wie sich alles dreht, und er versteht, es war ein Fehler, er steht auf, rutscht aus und bleibt liegen, langsam verliert er viel Blut und es geht ihm gar nicht gut, ihm wird kalt, bald sieht er nur noch schwarz und spürt den Schmerz, wieder klingelt das Telefon „Was ist denn bloß los? Ich hab dich leib mein Sohn, hoffe es geht dir gut, bitte melde dich, mein Sohn, ich liebe dich!“ das ist das letzte was er hört, und während er spürt das es zu ende ist, sagt er laut Mama, ich wollte nicht das du alleine bist! Er fühlt sich miserabel als er sieht wie seine Mutter ihn drei Tage später findet und um ihn weint und sich die schuld gibt, wie gern hätte er sich entschuldigt und alles wäre gut gewesen, sie hat ihn doch gern hat ihm früher immer vorgelesen, doch das hat er vergessen, sie kochte ihm das essen, auch das wusste er nicht mehr, ihr fällt der Abschied schwer, ihr leben ist jetzt leer und sinnlos, sie ist alleine, so wollte sie nie sein, jetzt ist ihm es wieder ein gefallen, die Einsicht kommt zu spät, sie wollte doch immer nur das es ihm gut geht!

Ihr Körper blieben liegen, doch ihre Seelen sind auf gestiegen, und sie alle sehen ihre Hinterbliebenen, sie liebenden, über ihren Körpern knien. Sie wollten fliehen, doch sie können sich diesem Schauspiel nicht entziehen, sie hoffen sie werden ihnen verzeihen!

Sie sind zu früh gegangen, sie waren noch nicht bereit in den Himmel einzuziehen!

Und wie sie so nach unten schauen, sehen sie Tränen in den Augen und spüren selbst die Trauer aufsteigen, und sie können ihren Ohren kaum trauen, als Gott spricht, das wollte ich euch zeigen, ihr habt jetzt die Chance euch noch mal zu entscheiden: wieder runter, oder hier oben bleiben? Wenn ihr wieder geht, drehe ich die Uhr zwei Wochen zurück, ich hoffe ihr versteht das das was einmaliges ist, landete ihr noch mal hier gibt’s kein zurück!

Doch dieses mal habt ihr noch Glück!

Und sie bedanken sich und gehen von dannen, sie konnten nicht ahnen…

Sie hatten nicht gewagt zu hoffen, doch nun stehen sie hier, die Tür zurück ist offen, und sie gehen hindurch, und sie sind wieder da, da wo sie vor zwei Wochen waren, und sie bedanken sich für das erbarmen, und sie liegen sich mit ihren lieben in den Armen.

Und sie haben neue Freunde gefunden, und sie sind glücklich und drehen ihre runden, alles ist gleich, aber alles ist neu, und die drei schwören sich treu, für ein ander zu stehen, und erst in vielen Jahren wieder zu gehen! Und sie haben gelernt was es heißt zu leben, zu lieben, und sie hätten es bereut im Himmel zu bleiben, jetzt sind sie daheim, voller Kraft, voll von Energie, und sie wollen nie, nie wieder so etwas tun, er verkauft seine Knarre, er wirft die Pillen weg, und er, er nimmt Sangesunterricht, vergesst nie, das da jemanden gibt der euch leibt, den wer weiß ob auch euch der Gott verzeiht!

Ein Kommentar

  1. Krass. Einfach krass, hat mich voll ergriffen, ich konnte gar nicht weg, ich musste zu Ende lesen. Und dann auch noch in einem großes Reimtext, krass, wie man sich sowas ausdenken kann, Respekt, aber es auch noch reimen, ich verneige mich.



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